Zukunftsschutzgebiet
Stadtraum

Die Zivilgesellschaft lädt zum Wahlkampf

Ein Streitgespräch wie im britischen House of Commons zum Thema eurer Wahl - eine gute Gelegenheit zur Meinungsbildung für anstehende Wahlentscheidungen.

Foto: Ralf Menzel

Foto: Ralf Menzel




> Ziel: Veranstaltungen von Parteien sind in der Wahlkampfzeit sehr gefärbt für die eigene Gruppe, sich selbst ein Bild von den verschiedenen Wahlprogrammen zu machen fällt schwer. Eine Wahlkampfveranstaltung der Zivilgesellschaft bricht diese Dynamik auf. Ziel ist, zu den von den Bürger:innen gewählten Themen eine gute Übersicht zu bekommen. Alle antretenden Parteien der jeweiligen Wahlebene sind eingeladen, müssen sich mit ihren Positionen in kurzen Statements behaupten und voneinander abgrenzen.

>> ! Es ist ausdrücklich keine Publikum-Podium Diskussionsveranstaltung. Vielmehr ist es eine erlebbare Schau der Wahlprogramme, die man durch direkte Gegenüberstellung und Rückfragen besser auf ihre Tauglichkeit für die eigene Wahlentscheidung testen kann.


> Warum? 

  • um Themen in den Fokus zu rücken, die im Wahlkampf schnell mal hinten runter fallen
  • um eine knackige Art des Wahlkampfs durchzuführen, wo kurz und verständlich zu einem Themenblock vom Wahlprogramm Position bezogen werden muss
  • um Bürger:innen die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen Parteienvertreter:innen stellen zu können und direkte Antworten bekommen


> Speaker:innen: 

  • von allen(!) antretenden Parteien eine:n Vertreter:in
  • eine professionelle Moderation, die im gewählten Thema zu Hause ist & es schafft, politische Herausrede-Manöver zum Punkt zu führen (das kann nicht jede:r)


> Teilnehmende / Gäste: ein heterogenes Publikum macht den Abend erst spannend! Über Pressearbeit, gezielte Werbung, unterschiedliche Verteiler und möglichst multiplizierende Kooperationspartner:innen kann eine gute Mischung angesprochen werden. Wichtig ist, auch Gruppen anzusprechen, die nicht von alleine einfach zu einer Wahlveranstaltung gehen würden.


> Wo, Wann, Wie lange? Damit sich unterschiedliche Menschen angesprochen fühlen, ist eine offizielle Institution als Veranstaltungsort sinnvoll, z.B. ein Bürger:innen-, Stadtteil- oder Rathaus oder eine kulturelle Einrichtung (Museum, Theater etc.). Zeitlich eignet sich der früher Abend, d.h. außerhalb von vielen Arbeitszeiten. Die Veranstaltung geht ca. 2,5h.


> Zeitpunkt: Der Zeitpunkt ist - logisch - direkt vor einer Wahl. Dabei heißt “direkt” einen Abstand von 4 - 6 Wochen zum Wahltag. Das ist sinnvoll, da es sonst durch die Wahlkampf-Periode zu zeitlichen Engpässen seitens der Parteienvertreter:innen kommen kann. 


> Vorbereitung & Durchführung: 

// 3 Monate vorher:

  • gründet ein Orga-Team aus min. 2 Personen; setzt das Thema & Datum fest.
  • sucht euch Kooperationspartner:innen, die zum Thema in der Region aktiv sind & eine andere Zielgruppe als ihr selbst haben (z.B. “Wohnen & Stadtentwicklung”: städtischer Mieter:innenverein; “Zivilgesellschaftliches Engagement”: städtische Bürgerstiftung)
  • nehmt Kontakt zu den Parteien auf & ladet die Abgeordneten des jeweiligen Themas ein → ihr könnt mit den Zusagen der anderen Parteien werben (wenn ihr schon welche habt), um einen Zugzwang zu bewirken. Es ist letztlich eine gute Plattform für Wahlwerbung.
  • sucht eine fähige(!) Moderationsperson.
  • sucht einen geeigneten Raum  für ca. 100 - 200 P. 

>> ! Oftmals können gemeinnützige Vereine kostenfrei Räume der Stadt (z.B. Rathaus) nutzen.

// 1 Monat vorher: 

  • erstellt einen ansprechenden Flyer & geht in der gesamten Stadt flyern!
  • nutzt alle möglichen Verteiler & Möglichkeiten, um auf den Abend aufmerksam zu machen, z.B. die Verteiler eurer Kooperationspartner:innen, Wahlveranstaltungen der Parteien, das Amtsblatt des Rathauses etc. 

>> ! Um eine heterogene Zielgruppe zu erreichen, braucht es ein Bewerben online & offline.

// 1 - 2 Wochen vorher: 

  • legt 3 - 4 Personen aus eurer Initiative fest, die den Abend personenbezogen protokollieren, d.h. von je 1 - 2 Speaker:innen die wichtigsten Statements festhalten; sucht euch evtl. jemanden, der Fotos / Videomitschnitte macht
  • erinnert die Teilnehmenden an den anstehenden Termin; sprecht den Ablauf und eventuelle Unklarheiten ab.
  • Bewerbt das Event nochmals & startet einen Aufruf an die Gäste, dass sie ihre Fragen zum Thema mitbringen können! 

// am Tag: 

  • macht einen letzten Bewerbungs-Call über vorhandene social media-Kanäle
  • baut in der Location ein britisches Unterhaus nach. D.h. die Stühle der Gäste stehen sich 50/50 gegenüber, dazwischen bleibt ein breiter Gang. In diesem stehen jeweils  links und rechts 4 - 5 Stühle in Reihe für die Vertreter:innen der Parteien. Die Moderation wird sich in diesem Gang zwischen Gästen & Speaker:innen frei bewegen. Stellt Wasser für die Redner:innen + Moderation bereit; (falls vorhanden) füllt die Bar der Location auf, um den Gästen ein Getränk anbieten zu können.
  • empfangt die Moderation ca. 1 Stunde vor Beginn und sprecht mit ihr nochmal den Abend durch
  • empfangt die Speaker:innen ca. 30 Minuten vor Beginn, um die Moderation kennenzulernen und um letzte Fragen, technische Anliegen etc. zu klären.
Aufbau-Skizze des Veranstaltungssaals

Aufbau-Skizze des Veranstaltungssaals

// Ablauf des Abends: 

  • ihr bzw. eure Kooperationspartner:innen eröffnet den Abend, die Moderation schließt mit kurzer Vorstellung der Speaker:innen und dem Ablauf des Abend an.
  • Es folgen 6 - 8 Runden, in denen die Moderation die Speaker:innen zu Unterthemen des Hauptthemas befragt. Die Statements der Speaker:innen werden knapp gehalten (vorher kommunizieren!) und Diskussionen, die sich unter den Speaker:innen entfalten, gut von der Moderation abgefangen. Jede:r Speaker:in muss mindestens einen Satz pro Unterthema sagen. 

>> ! Unterthemen kann sich die Moderation aus dem Publikum zurufen lassen. 

  • Nach 3 - 4 Runden gibt es einen ersten Slot für mitgebrachte Fragen aus dem Publikum; einen zweiten gibt es nach der letzten Themenrunde.
  • Zum Abschluss nach allen Runden wird jede:r Speaker:in aufgefordert, ein Visionsstatement zum Thema abzugeben, was seine/ihre Partei in der kommenden Wahlperiode vorhat. 

>> ! Wichtig ist hier, dass bei aufkommender Kritik von einer an einer anderen Partei die Möglichkeit gewährt wird, auf diese kurz einzugehen. Nur, weil jemand per Zufall das letzte Wort hat, soll er/sie dies nicht als Runde für einen kritikgeladenen Rundumschlag nutzen können.

  • Wenn möglich, kann der Abend an der Bar ausklingen - nette Ergänzung: „meet your candidate“ – jede:r Kandidat:in erhält im Foyer o.ä. einen Stehtisch mit Kaltgetränk und ist dort für direkte Bürger:innengespräche verfügbar.

// 1 - 2 Wochen danach:

  • Veröffentlicht über eure Kanäle Fotos und eventuelle Mitschnitte / Mitschriften vom Event. Fasst dafür kurz die protokollierten, wichtigsten Statements aller Parteien zu den jeweiligen Unterthemen zusammen. Hier könnte auch Platz für eure Erkenntnisse des Abends sein.


> Worauf noch zu achten ist: Politik ist niemals unverfänglich. Umso wichtiger ist, neutral mit allen antretenden Parteien umzugehen und z.B. keine von vornherein per se auszuschließen - damit macht ihr euch sonst unglaubwürdig und verfehlt den wichtigen Effekt, sämtliche Bürger:innen einer Stadt anzusprechen. Positioniert euch auch nicht konkret zu einer Partei, z.B. durch eine Kooperation mit dieser (auch wenn ihr ihre Position grandios findet). 


> Wie war es bei uns? Für eine erste Durchführung lief es beim “Stadtentwicklung & Wohnen: Die Zivilgesellschaft lädt zum Wahlkampf” im April 2019 sehr geschmeidig in Dresden. Die Kooperation mit dem Mieterverein Dresden führte zu einer breiten anwesenden Öffentlichkeit, wie wir sie alleine nicht hinbekommen hätten. 1 ½ Monate vor der Wahl war ein guter Zeitpunkt, jedoch einen Samstagabend zu wählen nicht perfekt - die Wochenenden sind dann doch der Familie bzw. kulturellen Veranstaltungen vorbehalten, so unsere Wahrnehmung. Frauke Burgdorff als Moderation war absolute spitze und schaffte es, jede:n Speaker:in zu klaren Äußerungen zu bewegen, ohne ausschweifend zu werden. Bei erneuter Durchführung würden wir mehr Vor- und Nachlaufzeit einplanen, vor allem für eine bessere Bewerbung und Dokumentationaufarbeitung.


> Kostenpunkte: Flyerlayout und -druck, Miete von Technik / Raum, Honorar für Moderation und Foto-/Filmdokumentation


> Kontakt-Person #raumkon19: Marie Neumann (marie@konglomerat.org)


> Hier geht's zur durchgeführten Veranstaltung vom 13.04.2019.